# Interview mit Tania Woodhatch von «Würzmeister»

- Link: https://samsteiner.net/tania-woodhatch-wuerzmeister-webmarketing/
- Published: 2017-05-22T09:15:27+02:00
- Author: Sam Steiner

_2012 gründeten Tania und Yves Woodhatch „[Würzmeister](http://wuerzmeister.ch/)“.
Sie verkaufen Gewürzmischungen, die Yves selber herstellt. Was als Hobby begann,
entwickelte sich dank der grossen Nachfrage zu ihrem Beruf. Als Webagentur konnte
Sam Steiner Würzmeister in der Startphase unterstützen. Hier im Interview erzählt
Tania, wie „Würzmeister“ vom Start-Up mit viel Leidenschaft und kleinem Budget zu
einem professionellen Unternehmen wurde, und wie ihre Web-Marketing-Strategie heute
aussieht. _

**Tania, Würzmeister hat von Anfang an stark auf Web-Marketing gesetzt. Welche Strategie
steckte dahinter?**

Tania Woodhatch: Würzmeister war am Anfang einfach ein Hobby meines Mannes. Er kann
aufgrund chronischer Schmerzen keiner regelmässigen Arbeit nachgehen. Yves ist ein
leidenschaftlicher Koch und hat schon früher oft selbstgemachte Gewürzmischungen
verschenkt. Die Resonanz wurde mit der Zeit so gross, dass wir gemerkt haben, wir
müssen da einfach etwas auf die Beine stellen. Für mich war aber klar, dass das 
nebenbei laufen würde. Da war ein Online-Shop naheliegend: Das ist einfach und kostet
praktisch nichts. Und weil ich damals seit zwei Jahren auf Twitter dabei war, nutzte
ich diese Plattform, um unser Startup bekannt zu machen.

**Warum gerade Twitter?**

Ich finde Twitter die coolste Plattform! Dass ich persönlich schon dabei war und
es total liebte, machte ganz viel aus. Das ist viel einfacher, als wenn man als 
Unbekannte direkt mit einem Firmenaccount auf eine Plattform aufspringt. Viele Leute
kannten mich schon. Sie verfolgten Würzmeister von Anfang an und unterstützten uns.
In den ersten Monaten kamen die Bestellungen vor allem von Leuten, deren Namen wir
kannten.

## „On- und Offline-Präsenz sind ein Ganzes“

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_Tania und Yves Woodhatch mit zwei Helferinnen an einer Messe (Alle Bilder: [Würzmeister](http://www.wuerzmeister.ch))_

**Was hat sich seither verändert?**

Ich habe Mitte 2016 meinen Job aufgegeben und arbeite jetzt voll für Würzmeister.
Das bedeutet zwar, dass ich mehr Kapazität habe, aber auch mehr Druck. Der grösste
Unterschied sind aber für uns die Messen. 12 bis 14 Mal im Jahr sind wir mit einem
Stand an regionalen Gewerbeausstellungen und Gourmet-Publikumsmessen präsent. Die
Leute schätzen den persönlichen Kontakt sehr! An den Messen werden wir auch oft 
auf unsere Angebote für Firmenkunden angesprochen. Diese sind eine Erfolgsgeschichte
für sich: Wir bieten individualisierbare Geschenkboxen an, und diese generieren 
mittlerweile rund die Hälfte unseres Umsatzes.

**Sind Social Media durch die Messe-Einsätze weniger wichtig geworden? **

Nein: Ich sehe On- und Offline-Präsenz als ein Ganzes. Es braucht mehrere Kontaktpunkte.
Nicht jeder ist auf Twitter, aber viele sind auf Facebook. Sie sehen uns persönlich
auf einer Messe, stolpern dann über einen Facebook-Post von uns und wir kommen ihnen
bekannt vor. Heute werden unsere Produkte auch in ungefähr 25 Läden verkauft – noch
ein Kontaktpunkt.

## «Interagieren, statt nur posten»

**Wie würdest du eure Online-Strategie beschreiben?**

Grundsätzlich macht es nur Sinn, auf einer Social Media-Plattform präsent zu sein,
wenn man es auch gerne tut und auf Augenhöhe kommuniziert. Wir wollen die Leute 
inspirieren, nicht ihnen ständig etwas verkaufen. Interagieren, statt nur posten.
Automatisierte Posts oder nicht auf ein Mention reagieren, das geht für mich nicht.

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_Wachstum: Besucherinnen und -Besucher auf [wuerzmeister.ch](http://www.wuerzmeister.ch)
seit Januar 2014._

**Welche Plattformen nutzt ihr?**

[Twitter](https://twitter.com/wuerzmeister), wie schon erwähnt. Da zählt es, schnell
und nahbar zu sein. Auf Twitter fragen Leute schon mal: „Ich koche dieses Essen,
welches Gewürz passt dazu?“. Da wollen wir schnell reagieren können. Dann nutzen
wir [Pinterest,](https://www.pinterest.com/wuerzmeister/) posten dort Rezepte und
haben einige Boards. Auch einen [Instagram-Account](https://www.instagram.com/wuerzmeister/)
haben wir, den wir gelegentlich nutzen. Deutlich aktiver sind dort aber unsere Kunden.

**Das heisst?**

Leute fotografieren, was sie mit unseren Gewürzen gekocht haben. Die Posts mit dem
Hashtag #wuerzmeister werden automatisch [auf unsere Website übertragen](http://wuerzmeister.ch/instagram/).
Ich finde es sehr schön, wenn sich die Leute so inspirieren lassen können! Neu fordern
wir die Leute auch auf unserem Flyer dazu auf, den Hashtag auf Instagram zu verwenden.
Weiter versenden wir einen Newsletter und veröffentlichen News und Rezepte auf unserer
Website [wuerzmeister.ch](http://wuerzmeister.ch/).

## „Unsere Kunden sind unsere Promotoren“

**Vor einigen Tagen hattet ihr auf Facebook eine spannende Aktion: Kunden und Freunde
sollten bei der Namensfindung für eine neue Gewürzmischung helfen.

Die Antworten folgten auf dem Fuss – innerhalb von 24 Stunden hatten bereits rund
40 Personen mehr als 70 Vorschläge gebracht – wir sind überwältigt und konnten bereits
einen wunderbaren Namen auswählen. Auf [Facebook](https://www.facebook.com/wuerzmeister.ch)
erreichen wir eine breite Masse, und auf unsere aktive Community können wir zählen.

**Habt ihr für Facebook eine definierte Strategie?**

Vor zwei Jahren organisierten wir für Würzmeister einen Workshop zum Thema Content
Marketing, zu dem wir einzelne Kunden und Freunde einluden zum Brainstorming. Aus
diesem Workshop legten wir eine Strategie fest, definierten Kundengruppen und deren
Bedürfnisse und Interessen. Diese Strategie habe ich im Hinterkopf und sie hilft
mir sehr. Ich konnte aber bisher aus Zeitgründen noch nicht alles umsetzen.

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_Geschenkboxen von Würzmeister.

**Hast du einen Redaktionsplan? **

Nein, obwohl ich schon lange einen machen will. Wir posten ad hoc, teilweise auch
nur einmal in der Woche, aber dafür etwas Interessantes.

**Nutzt ihr Facebook-Gruppen?**

Bisher haben wir nur eine Seite.

**Auch aus Zeitgründen?**

Nur teilweise. Zu unserem Konzept gehörten eigentlich auch Promotoren. Dafür würde
sich eine geschlossene Facebook-Gruppe eignen. Doch momentan sind wir in der komfortablen
Lage, dass die meisten unserer Kunden ohnehin Promotoren sind. Viele schwärmen von
Würzmeister, bringen Gewürze als Geschenk mit und erzählen Nachbarn und Freunden
davon. So kamen auch alle unsere Firmenkunden auf uns zu, ohne dass wir selber aqurierten.
Jemand sagte mir mal: „Weisst du, ihr habt gar keine Kunden – nur Fans!“ Dass es
so gut laufen würde, konnten wir am Anfang gar nicht wissen. Weil wir eine überdurchnittlich
hohe organische Reichweite haben,  bewerben wir die Facebook-Posts im Normalfall
auch nicht.

## „Wir leben, was wir reden“

**Was macht das Persönliche aus? **

Die Leute wissen, dass wir alles selber und in Handarbeit herstellen. Sie lernen
uns persönlich kennen auf Social Media und an den Messen. Man kann auf Voranmeldung
auch unsere Produktion in Kloten besichtigen. Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass
wir authentisch sind: Wir leben, was wir reden. Mein Mann macht die Gewürze aus 
Leidenschaft. Und ich will mit Würzmeister das Soziale weiterhin leben, das ich 
vorher in meinem Beruf in der Arbeitsintegration hatte.

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_Yves Woodhatch beim Mischen von Gewürzen._

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**Was heisst das?**

Wir wollen Menschen begleiten und einen Unterschied in ihrem Leben machen. Wir kochen
dreimal in der Woche bei uns zu Hause Zmittag für Menschen, die langzeitarbeitslos
oder psychisch angeschlagen sind. Viele unserer Gäste helfen gerne beim Einpacken
und Etikettieren mit. Dann bieten wir Praktika an für Menschen, die wieder in den
ersten Arbeitsmarkt einsteigen wollen. Ich glaube, es ist das Gesamtpaket – von 
den Produkten, die ohne Zusatzstoffe auskommen und teilweise bio-zertifiziert sind,
über das professionelle Design, bis zu den persönlichen Beziehungen und dem sozialen
Aspekt.

**Du hast den Mittagstisch erwähnt. Dann sitzt du im Gemeinderat und singst in einer
Band. Wie viel Zeit bleibt dir da überhaupt für Web-Marketing? **

Ehrlich gesagt, bin ich schon froh, wenn ich bei Würzmeister mit der Buchhaltung
und Administration einigermassen hinterherkomme. Über den Daumen gepeilt, brauche
ich etwa ein bis zwei Stunden pro Woche für Würzmeister-Online-Aktivitäten. Damit
wir da trotzdem mehr herausholen können, erstellen wir demnächt im Rahmen des Profitlabor-
Bootcamps einen Sales Funnel. Da mache ich gleich mit unserer Assistentin mit, die
wir seit kurzem in einem 20%-Pensum eingestellt haben.

## „Meine Angst war lange, dass wir zu schnell wachsen“

**Das heisst, in der nächsten Zeit wollt ihr betreffend Online-Marketing mehr Gas
geben?**

Genau. Bisher haben wir da nicht viel getan: In der Weihnachtszeit werden wir ohnehin
überrannt, seit einiger Zeit nutzen wir auch Google AdWords. Meine grösste Angst
war lange, dass wir zu schnell wachsen.

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_Hibiskussalz von Würzmeister.

**Warum?**

Wir wollen die Handarbeit und das Persönliche, Familiäre bei Würzmeister behalten.
Und die Arbeit muss mit der labilen Gesundheit meines Mannes vereinbar sein. Gleichzeitig
müssen wir aber noch ein wenig wachsen. Finanziell ist es noch zu knapp, seit mein
Fixlohn weggefallen ist.

**Wie viel Wachstum ist noch möglich? **

Mit unseren Kapazitäten sollte das Vier- bis Fünffache des jetzigen Umsatzes möglich
sein.

_Das Interview führte [Evelyne Baumberger](https://twitter.com/evelyne_lynn)._

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